Michael Lerchenberg

Schauspieler

Braucht es ein Denkmal für Karl Obermair in Freising? 

Ich wundere mich: Warum gibt es nicht schon längst ein Karl Obermair Denkmal in Freising?

Vielleicht ist ja die alte Bischofsstadt mangels Masse nicht so geübt im Ehren Ihrer berühmten Söhne und Töchter? Die jüngere Residenzstadt München stellt ihren Schauspielern gern Denkmäler auf. Meist da wo es gemütlich ist und man gern hingeht.

 

Und Freising? „Jetzt wird’s aber langsam scho Zeit!“, grantelt vielleicht oben auf Wolke 7 der Karl. Aber er kennt ja seine Freisinger. Damals, als er beerdigt wurde, gab‘s weit um den Waldfriedhof herum keinen Parkplatz mehr. Da waren sie alle da, nicht nur seine Kollegen, sondern auch die Freisinger, das Volk, weil ein Volksschauspieler gestorben ist, einer der Ihrigen. Früh ist er gestorben, der Karl. Viel zu früh! Und spät hat seine Karriere begonnen. Viel zu spät! Aber vielleicht musste ihm, dem „Kopfeck“, erst sein prächtiger Charakterkopf richtig herwachsen. Dieser Kopf war einzigartig! Zweifelnd, grantig, vorsichtig, aber direkt und gradlinig, keiner dieser schnackselnden und plattelnden Juhubayern. 

Unser Beider Karriere begann zugleich. Er, noch kantiger Chargenspieler an den Kammerspielen, spielte seine erste Hauptrolle in „Der Ruepp“ und ich, noch Falckenbergschüler, spielte meine erste Hauptrolle, den „Ruepp Michi“, seinen Sohn. Da wuchsen wir zusammen und von ihm habe ich viel über die Ernsthaftigkeit dieses Berufs erfahren. Auch von den Schattenseiten, die er schon kannte, ich noch nicht. 

„Schauspieler muass ma wern!“ mit Betonung auf „muss“, so hat er immer gesagt. Und er „musste“, er konnte nicht anders; auch wenn es in Castrop-Rauxel noch so furchtbar war.                            Schauspieler sein müssen in Castrop-Rauxel! – Allein dafür gebührt dem Karl schon ein Denkmal.